Happiness within – Multisensorische Aspekte der Architektur

Gastvortrag von Isabella Pasqualini
Dienstag, 22. Mai , 17 Uhr
Campus Urstein, Hörsaal 013

Der menschliche Körper wird seit der Antike als zweidimensionale Referenz für die Proportion in der Architektur verwendet. Dafür spricht, dass Architekturformen die subjektive Erfahrung des Menschen in Übereinstimmung mit der stilistischen Gestalt prägen. Was wäre aber, wenn wir den Körper in seinen drei- oder gar mehrdimensionalen Raumbeziehungen betrachten würden?

Die moderne Wissenschaft bezieht sich auf verschiedene Verkörperungsbegriffe im Zusammenhang mit Wahrnehmung, Denken und Handeln. Verkörperung und Eigenkörpererfahrung werden dabei mit multisensorischen Aspekten des Bewusstseins assoziiert, wobei verschiedene Wahrnehmungsmodalitäten in der Architektur und in der Konzeption von Räumen angenommen werden können. Untersuchungen zum multisensorischen Architekturraum ergeben deshalb einen wissenschaftlichen Einblick in die mehrdimensionale Erfahrung des Raumes in der Architektur und seiner fiktiven Darstellung zum Beispiel mittels virtueller Realität oder anderen digitalen Medien.
Der Versuch einer Annäherung zwischen der Architektur und der kognitiven Neurowissenschaft könnte daher eine Entwurfskultur hervorbringen, die basierend auf Prozessen des Ich-Bewusstseins permeable Grenzen zur zeitgenössischen Wissenschaft und den neuen Technologien aufweist. Das Zusammenspiel zwischen Emotion, Interaktion und Geometrie vor dem Hintergrund verschiedener Medien bleibt daher der zentrale Aspekt der Architektur als Disziplin, die Wissenschaft und Kunst eint um erfahrbare Räume zu bilden.

Isabella Pasqualini ist Architektin (ETHZ 2000) und Gastforscherin am Center of Neuroprosthetics in Genf. Sie hat 2012 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne zum Thema der Verkörperung und Raumwahrnehmung in der Architektur und kognitiven Neurowissenschaften promoviert und dank dem Fellowship Grant der cogito foundation ein post-Doc über emotionale und multimediale Aspekte in der Architektur absolviert. Isabella Pasqualini hat an der Kunstakademie der Tsinghua Universität in Beijing und an der Zürcher Hochschule der Künste unterrichtet, und ist momentan Gastprofessorin an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Versailles sowie an der Università IUAV di Venezia. Sie hat als selbstständige Architektin verschiedene Wettbewerbspreise gewonnen. Ihre Forschungsprojekte sind in der wissenschaftlichen Fachpresse publiziert.